Natur und Geschichte seit Jahrtausenden verflochten

Der Frassino-See und die UNESCO-Anerkennung

Neben seinem ökologischen Wert besitzt der Frassino-See auch eine außergewöhnliche historisch-kulturelle Bedeutung: Seit 2011 ist er Teil des UNESCO-Welterbes im Rahmen des transnationalen Projekts „Prähistorische Pfahlbauten rund um die Alpen“, das 111 Fundstellen in Italien, der Schweiz, Frankreich, Deutschland, Österreich und Slowenien umfasst.

Die ersten archäologischen Hinweise am Frassino-See stammen aus dem 19. Jahrhundert, doch erst durch die Untersuchungen von Giovanni Tosina in den Jahren 1971 bis 1974 konnte die Existenz eines ausgedehnten Pfahlbaudorfs am Südufer des Sees bestätigt werden. Die entdeckten hölzernen Strukturen, die zu Wohnhütten auf Pfählen gehörten, stammen aus der frühen und mittleren Bronzezeit (ca. 2200–1200 v. Chr.) und wurden in Tiefen von 1 bis 3 Metern unter dem heutigen Wasserspiegel gefunden.

Spätere archäologische Ausgrabungen, die von der Oberaufsicht für Archäologische Güter der Region Venetienzwischen 1989 und 2000 durchgeführt wurden, brachten zahlreiche Fundstücke ans Licht, die vom Alltag prähistorischer Gemeinschaften zeugen. Darunter: Tassen mit auskragendem Rand und eingeritzten Verzierungenbikonische Tassen mit kleinen Knubbeln an der Schulter und trichterförmige Tassen mit eingezogenem Rand und senkrechtem Bandhenkel. Diese Funde dokumentieren die Entwicklung von Bautechniken, handwerklichen Fertigkeiten und das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt.

Eine Auswahl der bedeutendsten Objekte wird im Städtischen Naturkundemuseum in Verona aufbewahrt, weitere Exponate sind im Umweltarchäologischen Zentrum von Legnago zu sehen, das eine Sammlung über die venetischen Pfahlbauten beherbergt. Einige Materialien befinden sich auch im Dokumentationszentrum von Monzambano, das die lokale Erinnerung des unteren Gardaseegebiets bewahrt und fördert.

Der Frassino-See ist einer der wenigen Orte in Italien, an denen diese archäologischen Seeufersiedlungen so umfassend erhalten geblieben sind – nicht zuletzt dank des natürlichen Schutzes durch das Feuchtgebiet.

Die Aufnahme in die Liste des UNESCO-Welterbes bestätigt nicht nur die naturräumliche Bedeutung (GGB/BSG), sondern auch den universellen kulturellen Wert dieses Ortes: ein seltener Zusammenfluss von Biodiversität und Erinnerung, von Landschaft und Zivilisation.
Ein lebendiges Erbe, das es zu entdecken, zu achten und weiterzugeben gilt.